Kurzinfo

Fiat 500 Treffen an einem Straßenbahndepot in BremenAller Anfang ist schwer. So auch für den 1957 jüngsten Spross des italienischen Autoherstellers – den Fiat 500. Nachdem zwei Jahre zuvor der Fiat 600 als direkter Nachfolger des großartigen Topolino (der offiziell auch schon Fiat 500 hieß) außerordentlich erfolgreich ins Rennen um die Käufergunst geschickt wurde, kam der 500er im Sommer ´57 als äußerst spartanisch ausgestatteter Kleinwagen daher. Nicht mal Kurbelfenster hatte man ihm gegönnt. Aber immerhin war der 13-PS-Drosselmotor ein Viertakter, der sich somit durch sein sonores Brummen wohltuend von seinen heulenden Zweitaktkollegen unterschied, wenn er seine Fahrleistungen betreffend auch nicht unbedingt die Nase vorn hatte.

Vielen war der Schritt von der Vespa hin zum ersten richtigen Auto dennoch zu groß; diejenigen, mit denen es das Wirtschaftswunder gut gemeint hatte, griffen lieber gleich zum größeren 600er, der auch vier vollwertige Sitzplätze bot, während der kleinste Fiat allenfalls Kindern auf der dünn gepolsterten Rücksitzbank genügend Platz bot.

Ein Standard-N (1958) und zwei Ds (1964), beide auf langes Faltdach umgebaut.Schon schnell begriff man bei Fiat, dass sich ihr kleinster ebenso gut als Zweitwagen an den Mann, oder viel besser an die Frau bringen ließ. Bereits zum Jahreswechsel 57/58 wurde daher eine mit Zierleisten, Kurbelfenstern und einer serienmäßigen Heizung ausgestattete „Luxus“ genannte Version lanciert. Auch der Motor leistete nun 2 PS mehr. Neben verschiedenen Kinderkrankheiten wurde auch das zunächst lange, bis zur Motorhaube hinab reichende Faltdach um die Hälfte gekürzt, da doch vielen Kunden der Luftzug entweder die Frisur zerstörte oder sie zu sehr an ihre Moped-Zeit erinnert wurden. Von diesen Verkehrsteilnehmern wollte man sich mit seinem vierrädrigen Untersatz schließlich wohltuend absetzen!

Gerade diese Versionen mit dem langen Faltdach zählen heute zu den gesuchtesten Varianten und sind besonders selten. Schließlich erging es dem Fiat 500 als typisches „Brot-und-Butter“-Auto wie vielen seiner Artgenossen vom Schlage eines VW Käfers, Lloyd Alexander oder Citroёns Ente, dass sein letzter Weg meistens auf den Autofriedhof führte und im Gegensatz zu vielen glamourösen Sportwagen nicht über die Jahre gerettet wurde.

Fiat 500 F - noch heute alltagstauglichSieht man heute einen Fiat 500 im Straßenverkehr, so handelt es sich meistens um einen Vertreter der Blütejahre – den späten sechziger Jahren. Inzwischen gingen die Türen nun „richtig herum“ auf, da die hinten angeschlagenen, sogenannten „Selbstmördertüren“ in den meisten Exportmärkten außerhalb Italiens inzwischen für Neufahrzeuge nicht mehr zulässig waren. Der ab 1965 auf 18 PS erstarkte Motor erlaubte nun angemessenes Mitschwimmen im Straßenverkehr. Nicht wenige Kraftfahrer „normaler“ Autos wunderten sich auf so mancher kurvigen Landstraße, dass sie den Anschluss an den kleinen Fiat vor ihnen zu verlieren drohten. War der 500er doch mit einem für seine Größe exzellenten Fahrwerk mit Einzelradaufhängung gesegnet, das viele zeitgenössische Tuner, allen voran der große Carlo Abarth, veranlasste, dem 500er Sporen zu machen und nach allen Regeln der Kunst zu frisieren, wie man es damals noch nannte. Zum Ende der Bauzeit wurde der Hubraum von 500 auf 600 cm³ vergrößert. Die Leistung blieb mit 18 PS aber gleich, um den Unterschied zum ebenfalls 1972 erschienen Fiat 126 zu wahren.

Aber auch die Außenhaut des kleinsten Fiats blieb nicht unangetastet. So gab es im Laufe seiner 18-jährigen Produktionszeit nicht weniger als 50 verschiedene Karosserievarianten, von denen einige aber nur in einer Handvoll Exemplaren gebaut wurden. Neben verschiedenen Coupés von Karosseriebauern mit so klangvollen Namen wie Vignale und Zagato, waren es aber vor allem Cabriolets, die die Fantasie der kreativen Blechbearbeiter beflügelte.

Fiat 500 N (1958)Hervorzuheben ist die von Fiat selbst auf die Räder gestellte Kombiversion, die trotz einer Länge von weniger als 3,20m zwei Kofferräume bot, einen ganz kleinen vorn und einen umso größeren hinten. Geradezu genial war die Unterbringung des Motors gelöst. Ferraris früherer Motorenkonstrukteur Lampredi, der zuvor für die großen Zwölfzylinder zuständig war, hatte es fertig gebracht, den normalen „stehenden“ Zweizylinder des Fiat 500 zu kippen und so zu einem liegenden Unterflurmotor zu machen, der eine Ladekantenhöhe von 60 cm ermöglichte. So nimmt der Motor des Fiat 500 „Giardiniera“, wie er in seinem Heimatland genannt wurde, kaum mehr Platz ein als das Reserverad moderner Kombis im Kofferraum unter der Ladefläche.

Heute kümmert sich weltweit eine rührige Fangemeinde um die Erhaltung und Restauration der noch erhaltenen „Elefantenrollschuhe“, „Knutschkugeln“ und mit welchen Kosenamen der wohl größte Kleinwagen, der jemals gebaut wurde, sonst noch tituliert wird. Gerade das Medium Internet hat auch hier zu einem den Globus umspannenden Erfahrungsaustausch geführt, so dass der Fünfhunderter so schnell nicht in Vergessenheit geraten wird.