Eigentlich brauchte den Fiat 500 anfangs gar keiner. Oder? Der Fiat 600 war 1955 bei der Käufergunst außerordentlich gut angekommen. Im Handumdrehen war er als Ersatz für den ersten Volkswagen Italiens, den Topolino, von der sich motorisierenden Bevölkerung angenommen worden. Der Topolino, der nominell auch schon ein Fiat 500 war, hatte mit seinem Nachfolger quasi nichts, bis auf ein paar Kleinteile, gemeinsam. Der Motor war nun hinten, wie es sich für damals moderne Konstruktionen gehörte, weil man sich dadurch nicht nur eine bessere Raumnutzung versprach, sondern diese auch tatsächlich gegenüber dem der Vorkriegskonstruktion verwirklichen konnte. Endlich hatte man einen richtigen Viersitzer. Und genau das war der springende Punkt. Dadurch hatte man nun die Möglichkeit, unter dem Fiat 600 ein neues, kleineres Modell anzubieten, das auf der Erfolgswelle der Rollermobile mitschwimmen konnte. Schließlich war man ein Weltkonzern, der sich nicht einfach die Butter vom Brot nehmen ließ, und auch an diesem Marktsegment partizipieren wollte.
Glücklicherweise saßen in den Konstruktionsabteilungen bei Fiat aber nicht irgendwelche Fantasten und Tüftler, sondern Ingenieure, die ihre Berufsbezeichnung verdient hatten. Allen voran der Ingenere Dante Giacosa, der als junger Ingenieur schon die Entwicklung des Topolino maßgeblich vorangetrieben hatte. So war nicht nur garantiert, dass man kein Provisorium auf vielleicht nur drei Räder stellte, sondern ein richtiges Auto, das seine Räder da hatte, wo sie hingehören. Aber nicht nur das. Denn man war sogar in der Lage, das Auto zu einem akzeptablen Preis am Markt zu platzieren. Ein Problem, das viele andere vielversprechende Konstruktionen an der weiteren Verbreitung hinderte.
Aber dennoch. Der Unterschied zum Fiat 600 war nicht all zu groß. Konzeptionell und auch optisch sehr ähnlich, entschieden sich viele, mit denen es das Wirtschaftswunder gut gemeint hatte, lieber gleich für den 600er. Für viele andere war der Sprung von der Vespa zu ersten überdachten Fortbewegungsmöglichkeit dann doch wieder zu groß und finanziell einfach nicht machbar. Es drängt sich die Frage auf: Wer brauchte den 500er denn nun?