{"id":155,"date":"2011-01-25T21:37:45","date_gmt":"2011-01-25T20:37:45","guid":{"rendered":"http:\/\/500web.de\/?p=155"},"modified":"2011-01-26T20:54:16","modified_gmt":"2011-01-26T19:54:16","slug":"fiat-500-giardiniera","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/500web.de\/wiki\/fiat-500-giardiniera\/","title":{"rendered":"Fiat 500 Giardiniera"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-156\" href=\"http:\/\/500web.de\/fiat-500-giardiniera\/kombi3\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-156\" style=\"margin: 5px;\" title=\"kombi3\" src=\"http:\/\/500web.de\/wiki\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/kombi3.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"180\" \/><\/a>Giardiniera &#8211; G\u00e4rtnerin. So nennen die Italiener die Kombivariante des Fiat 500. Oder auch \u201eGiardinetta\u201c. Hierzulande lautete die offizielle Bezeichnung \u201eFamiliare\u201c. Und tats\u00e4chlich war der Kombi das bei weitem familientauglichere Modell. Den Fond-Insassen kommt der um 10 cm verl\u00e4ngerte Radstand zugute. Die Verl\u00e4ngerung kann man am Fahrzeugboden an einem vor den Vordersitzen eingeschwei\u00dften Blechstreifen erkennen. Dadurch wandert die Mulde f\u00fcr die F\u00fc\u00dfe der Fondpassagiere nach hinten. Au\u00dferdem war das Heck verl\u00e4ngert worden. Den die G\u00e4rtnerin hat ein Happy-End: Hinter einer seitlich angeschlagenen T\u00fcr wie bei einem K\u00fchlschrank \u00f6ffnet sich ein f\u00fcr diese Fahrzeugklasse geradezu riesige Kofferraum, der sich durch Umklappen der R\u00fcckenlehne noch vergr\u00f6\u00dfern l\u00e4sst. Durch das gro\u00dfe Faltdach ist auch der Laderraum nach oben quasi unbegrenzt.<\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-157\" href=\"http:\/\/500web.de\/fiat-500-giardiniera\/kombi_int1\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-157 alignright\" style=\"margin: 5px;\" title=\"kombi_int1\" src=\"http:\/\/500web.de\/wiki\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/kombi_int1.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"180\" \/><\/a>Das genaue Erscheinungsjahr ist umstritten. Meist liest man 1960 oder 1961, mit Erscheinen des D. Wie dann die in der Szene bekannten Fahrzeuge, die auf dem letzten N-Modell basieren, entstanden sein sollen und eines sogar 1959 erstzugelassen wurde, l\u00e4sst sich nicht erkl\u00e4ren. Es darf daher wohl als sicher gelten, dass der Kombi kurz nach Erscheinen des Fiat 500 in die Entwicklungsphase ging und 1959 in Produktion ging, als der N die sp\u00e4ter vom D bekannte Optik erhielt. Kombis mit den typischen Schlitzen vom N im Frontblech sind nicht bekannt. Der flache Tank, Bremsfl\u00fcssigkeitsbeh\u00e4lter aus Blech und rechts sowie die alten Ausstellfenster ohne eigene Rahmen und ein Armaturenbrett ohne Aschenbecher nebst nicht selbstt\u00e4tig zur\u00fcckstellendem Scheibenwischer sind eindeutig Merkmale des N, die mit dem D wegfielen (wobei Ausnahmen die Regel best\u00e4tigen, wie z. B. ein D ohne Aschenbecher beweist).<\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-158\" href=\"http:\/\/500web.de\/fiat-500-giardiniera\/kombi1\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-158\" style=\"margin: 5px;\" title=\"kombi1\" src=\"http:\/\/500web.de\/wiki\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/kombi1.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"180\" \/><\/a>In den Folgejahren flossen in die Kombiversion die gleichen \u00c4nderungen ein wie in die Limousinen, solange nicht Motor oder das Heck betroffenen waren. Zun\u00e4chst hatte der Kombi also im vorderen Kofferraum z. B. den kompakten Tank des D und sp\u00e4ter den breiten, rollenf\u00f6rmigen Tank des F. Auch die \u00c4nderungen an Pedalerie und Farbe des Lenkrades bzw. Tachos beim R von grau nach schwarz finden sich bei den Kombimodellen der gleichen Baujahre wieder. Der Kombi wurde sogar ein bis zwei Jahre l\u00e4nger gebaut als der normale 500er. In Deutschland nahm man ihn aber schon 1965 aus dem Programm. Es lohnte sich f\u00fcr die kleinen St\u00fcckzahlen auf den Exportm\u00e4rkten mit dem Verbot von Selbstm\u00f6rdert\u00fcren in der Zeit nicht, die Konstruktion zu \u00e4ndern. Da die Bianchina-Version schon von Anfang an vorn angeschlagene T\u00fcren besa\u00df, bot man sie Kaufinteressenten als Alternative an.<\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-159\" href=\"http:\/\/500web.de\/fiat-500-giardiniera\/arbeitsamt\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-159\" style=\"margin: 5px;\" title=\"arbeitsamt\" src=\"http:\/\/500web.de\/wiki\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/arbeitsamt.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"180\" \/><\/a>1968 wurde die Produktion des Fiat 500 Kombi an Autobianchi nach Mailand abgegeben. So musste man nun zwischen den Modellen Autobianchi Panoramica (Fiat 500 Optik) und Autobianchi Bianchina Panorama (Bianchina-Optik) unterscheiden. An der Technik tat sich nichts, lediglich an der Front weist seitdem ein anderes Frontemblem und ein Schritzug auf den Hersteller Autobianchi hin. Sp\u00e4ter entfiel der Schriftzug und stattdessen wurde ein stilisiertes \u201eA\u201c in der Mitte der Front angebracht, das \u00c4hnlichkeit mit dem fr\u00fcheren Zeichen des deutschen Arbeitsamtes hatte. Am Heck hatte der Fiat 500 Kombi ab Werk nie ein Emblem oder einen Schriftzug, so dass insbesondere heute viele Autofahrer r\u00e4tseln, was sie da vor sich haben. Schon einige Kombi-Eigner wurden gefragt, ob sie das Auto denn selbst umgebaut h\u00e4tten.<\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-160\" href=\"http:\/\/500web.de\/fiat-500-giardiniera\/kombi_graziella\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-160\" style=\"margin: 5px;\" title=\"kombi_graziella\" src=\"http:\/\/500web.de\/wiki\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/kombi_graziella.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"180\" \/><\/a>\u00c4nderungen der Karosserie, die nicht auf eine Modernisierung der Limousine zur\u00fcckzuf\u00fchren waren, wie z. B. Vereinfachung der Dachverriegelung von zwei auf einen Riegel oder verst\u00e4rkte Achsaufnahmen vorn, hielten sich in \u00fcberschaubaren Grenzen. Sie findet man ausnahmslos oberhalb der Fensterlinie. Die sp\u00e4ten Modelle, die auch keine Schiebefenster, sondern Ausstellfenster haben, besitzen am oberen Ende der B-S\u00e4ule au\u00dfen ein eingepr\u00e4gtes, abgerundetes Dreieck mit einer Tiefe von ca. 2 mm. Au\u00dferdem ist der Ansatz des Daches au\u00dfen an der A-S\u00e4ule anders geformt. Dort liegt bei den sp\u00e4ten Modellen die \u00e4u\u00dfere Dachh\u00fclle glatt auf, w\u00e4hrend die von oben kommenden A-S\u00e4ulenstummel zuvor einen Wulst als Abschlusskante hatten. Innen besitzen diese Modelle hinter den Seitenscheiben angeformte Aufnahmen und vorn Schlitze f\u00fcr die Beschl\u00e4ge der Ausstellfenster. Die parallel zum R gebauten Kombis haben auch die erhabene Pr\u00e4gung im Kofferraumboden f\u00fcr die Pedalerie mit Bremslichtschalter.<\/p>\n<p>Neben dem Kombi gab es noch eine Lieferwagenvariante \u201eFurgoncino\u201c mit geschlossenen hinteren Seitenscheiben und ohne Faltdach. In die Seitenscheiben waren passgenaue Bleche eingesetzt, und auf das Dach war von Regenrinne zu Regenrinne ein Blech aufgelegt worden. Darauf, dass diese Konstruktion sehr rostanf\u00e4llig war, kam es offensichtlich nicht an. Im Innenraum findet man statt der R\u00fcckbank eine Blechkonsole, die einen insgesamt ebenen Laderraum bietet. An den Gurtaufnahmepunkten war hinter den Vordersitzen eine Gitterkonstruktion zur Ladungssicherung angebracht Karosseriebaufirmen wie Ghia oder die mehr durch Leistungssteigerungen bekannte Firma Giannini bauten auch Pick-ups in geringer St\u00fcckzahl. Die Bianchina-Variante wurde auch mit einem gro\u00dfvolumigen Kastenaufbau angeboten.<\/p>\n<p><a rel=\"attachment wp-att-163\" href=\"http:\/\/500web.de\/fiat-500-giardiniera\/kombimotor1\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-163\" style=\"margin: 5px;\" title=\"kombimotor1\" src=\"http:\/\/500web.de\/wiki\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/kombimotor1.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"180\" \/><\/a>Das Pfiffigste am Fiat 500 Kombi ist zweifellos der Motor. Man muss wirklich sehr lange suchen, bis man einen Motor mit geringerer Bauh\u00f6he findet, der einen Pkw antreibt. Um die geringe Bauh\u00f6he zu erreichen, waren einige Klimmz\u00fcge erforderlich. Meistens liest man (so auch hier im einleitenden Text), dass der Limousinen-Motor auf die Seite gekippt wurde. Das ist nat\u00fcrlich nur die halbe Wahrheit. Denn jedem, der ein bisschen technisches Verst\u00e4ndnis von Motoren hat, ist klar, dass man einen Motor nicht einfach auf die Seite legen kann und er dann noch genauso l\u00e4uft wie vorher.<\/p>\n<p>Die Konstruktions\u00e4nderungen hat Aurelio Lampredi vorgenommen, der vorher bei Ferrari in der Motorenentwicklung t\u00e4tig war. Mit der ge\u00e4nderten Lageanordnung waren die \u00d6l- und Benzinversorgung, die Luftzufuhr, aber auch die Schwingungsrichtung des Motors zu \u00e4ndern. Der Fiat 500-Motor ist ein Reihenzweizylinder mit parallel laufenden Kolben. Dadurch hat er ein \u00e4u\u00dferst unausgeglichenes Schwingungsverhalten. Die Kurbelwelle des Fiat 500-Motors hat ein gro\u00dfes Gegengewicht, das daf\u00fcr sorgt, dass der Motor bei einer bestimmten Drehzahl auf- und abschwingt. Diese Schwingungen kann die Motorlagerung ausgleichen. Aufgrund von Ersch\u00fctterung beim Fahren m\u00fcssen Auf- und Abschwingungen abgefedert werden. In Querrichtung treten im Fahrbetrieb weit weniger Belastungen beim Fahren auf. Also besitzt auch der Kombi eine Motoraufh\u00e4ngung, die daf\u00fcr ausgelegt ist, vertikale Schwingungen aufzunehmen. Eine \u00e4hnliche Konstruktion findet man sp\u00e4ter beim \u201eR\u201c und dann beim 126er.<\/p>\n<p>Damit der Kombimotor ebenfalls haupts\u00e4chlich vertikal schwingt, wurde die Wuchtung des Motors ver\u00e4ndert. Das Gegengewicht der Kurbelwelle konnte man praktisch nicht vergr\u00f6\u00dfern. Darum wurde an der Keilriemenscheibe ein weiteres Gegengewicht angebracht, und drei gro\u00dfe L\u00f6cher in der Schwungscheibe, 180\u00b0 zu den Gegengewichten versetzt angeordnetet, bewirken eine weitere gewollte Unwucht. Hierauf muss man auch beim Zusammenbau des Motors achten, dass die Schwungscheibe richtig ausgerichtet ist, weil konstruktiv keine \u201eIdiotensicherung\u201c vorgesehen ist. Ansonsten sind Kolben, Pleuel und Kurbelwelle mit dem Limousinenmotor identisch. Die Zylinder sind st\u00e4rker und ausladender verrippt.<\/p>\n<p>Der Vergaser ist vom Fallstrom- zum Querstromtyp ge\u00e4ndert worden. Die \u00d6lversorgung musste insbesondere f\u00fcr die Ansaugung ge\u00e4ndert werden, da sich der \u00d6lsumpf unten im Block sammelt und nicht mehr in einer \u00d6lwanne. Die \u00d6lpumpe befindet sich an der tiefsten Stelle des Motors und wird nicht wie beim Limousinenmotor von der Nockenwelle, sondern vom Verteiler angetrieben. Die Verteilerwelle ist unten hohl und verzahnt. Darin steckt die Antriebswelle der \u00d6lpumpe.<\/p>\n<p>Auch die K\u00fchlluftf\u00fchrung ist ge\u00e4ndert. Die Luft wird durch die C-S\u00e4ulen und die Hecktraverse von hinten angesaugt und dann durch ein Ventilatorrad nach vorn geblasen. Dabei wird die Luft nach rechts umgelenkt, streicht \u00fcber den Motorblock und dann durch Zylinderkopf und Zylinder nach unten. Daraus folgt, dass auch die Lichtmaschine ge\u00e4ndert wurde. Sie besitzt nur noch ein herausstehendes Wellenende, auf dem sowohl Keilriemenscheibe als auch das aus Aluminium gegossene L\u00fcfterrad sitzen.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n f\u00fcr heutige Ver\u00e4nderungen ist, dass man das Getriebe des Fiat 126 Bis direkt an den Kombimotor anflanschen kann. Darin zeigt sich, dass der Kombimotor in der wassergek\u00fchlten Variante des 126er eine Art Wiederauferstehung erlebte. Selbstverst\u00e4ndlich fahren heute auch einige Kombis mit dem sog. \u201eWasserpanscher\u201c-Motor herum. Der Kombimotor gilt insgesamt als nicht so standfest wie der Limousinenmotor. Bekannt sind Probleme mit sich l\u00f6senden Ventilsitzringen, die man beim \u201enormalen\u201c Motor praktisch nicht kennt. Auch hat der Kombi wesentlich schneller mit \u00d6ldruckproblemen zu k\u00e4mpfen. Die K\u00fchlung ist schwieriger, weil der Motor doch rundherum ziemlich eingezw\u00e4ngt in seinem kleinen Motorr\u00e4umchen sitzt. Zur Verbesserung der K\u00fchlung ist ab Werk bereits die Lichtmaschine durch eine kleinere Riemenscheibe gr\u00f6\u00dfer \u00fcbersetzt als bei der Limousine. Auch von Kolbenfressern und Lagersch\u00e4den wird \u00f6fter als beim Limousinenmotor berichtet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Giardiniera &#8211; G\u00e4rtnerin. So nennen die Italiener die Kombivariante des Fiat 500. Oder auch \u201eGiardinetta\u201c. Hierzulande lautete die offizielle Bezeichnung \u201eFamiliare\u201c. Und tats\u00e4chlich war der Kombi das bei weitem familientauglichere Modell. Den Fond-Insassen kommt der um 10 cm verl\u00e4ngerte Radstand zugute. 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